Border Collies sind etwas anders zu behandeln als viele andere Hunde.
Auch wir dachten zu Beginn: Ach, das wird schon. Junge Hunde – Welpen eben – sind nun einmal so. Sie wollen spielen, rennen, Unsinn anstellen. Das vergeht wieder.

Also setzten wir auf Auslastung: Action, Wurfspiele, Apportieren, im Sommer Schwimmen im Wasser – eben alles, was den Hund müde macht.
Wir dachten das bräuchte er. Es würde ihn glücklich machen. Anfangs war das auch so. Moriz war begeistert von der TÄGLICHEN Action.
Genau das haben wir also mit unserem Border Collie Moriz gemacht.

Nur bedachten wir nicht, dass man die ganze Situation auch so sehen musste:
Wir kaufen ein Auto und sind gewohnt ein „normales“ Auto mit 95 PS zu fahren.
Auf einmal haben wir einen FERRARI!
Wenn man den genauso aufs Gaspedal tritt wie einem 95 PS Wagen…naja Ihr könnt Euch denken was dann passiert…
Genau das geschah mit dem jungen, energiegeladenen Border Collie Moriz.

Was haben wir erreicht?

Genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich bezwecken wollten.
Der junge Hund wurde immer aufgedrehter. Er wollte immer öfter auf die Wiese, rennen und bis zum Umfallen apportieren. Hölzer, Bälle, seine heiß geliebte Frisbee-Scheibe – wir sahen nur noch einen schwarzen Pfeil mit weißer Halskrause über die Wiese flitzen.
Immer Vollgas.

Von Natur aus sind Border Collies nahezu unermüdliche Arbeitshunde. Das stimmt schon.
Doch was macht man, wenn man keine Schafherde zu hüten hat und auch nicht die Zeit aufbringen kann, diesen „Arbeiter“ permanent auszulasten?
Schließlich besteht das Leben eines Menschen nicht nur aus Hundebeschäftigung. Man hat auch eigene Bedürfnisse – beruflich wie privat.
Diese Aktivitäten mit Moriz arteten irgendwann immer mehr in Stress aus. So konnte es nicht weitergehen.

Und wenn die eine Richtung nicht zum Ziel führt, versucht man eben die andere.
Also stellten wir die Erziehung radikal um.

Kopfarbeit statt Dauerlauf

Zum Glück leben wir in einem Haus mit großem Garten direkt vor der Tür. Dort habe ich meinen für kleines Geld gekauften Hindernisparcours aufgebaut: einen Reifen zum Durchspringen, Stangen zum Überspringen, Slalomstangen und nicht zuletzt einen etwa fünf Meter langen Schlauch zum Durchkriechen.
Moriz, das Energiebündel, sah sich das alles kurz an, wollte danach aber lieber wieder sein Hölzchen apportieren.
Ich habe das konsequent unterbunden, das Wurfholz weggeräumt und ihn zum Parcours geführt.

Dort brauchte der kleine Raser zunächst etwas Zeit, um herunterzukommen. Doch nach zusätzlicher Motivation durch köstliche Leckerlis war er durchaus interessiert an den verschiedenen Übungen, die er nach mehreren Versuchen immer besser beherrschte.
Dabei erkannte ich etwas sehr Wesentliches:
Nicht so sehr das Laufen selbst macht ihn müde, sondern die „Kopfarbeit“. Das Nachdenken: „Was will das Herrchen denn jetzt wieder von mir?“
Das ermüdet ihn genauso wie stundenlanges Hin- und Herrennen.

Ja, es ist momentan mühsam. Der noch nicht einmal ein Jahr alte Junghund – am 4. Juli feiern wir seinen ersten Geburtstag – kann sich nur schwer auf die Übungen konzentrieren.
Wie er zappelt, japst und winselt, fast vor Übermut explodierend! Auch pubertätsbedingt.
Doch wenn er sich beruhigt hat, freut er sich sichtbar darüber, wenn er merkt, dass er mir Freude bereitet hat und die Übungen zu meiner Zufriedenheit absolviert wurden.

Ich achte darauf, diese Trainingseinheiten nicht zu lange zu gestalten. Vielleicht zehn bis fünfzehn Minuten. Ich merke sehr genau, wann es ihm zu viel wird.
Zumeist schließen wir mit Suchspielen und „Platz, bleib!“ ab.
Im Garten, in vertrauter Umgebung, klappt das zu etwa 90 Prozent. Im Wald hingegen, in der Natur, bei all den Ablenkungen, Geräuschen und Gerüchen, scheint alles wieder vergessen zu sein.
Doch das kann ich akzeptieren.

Ein schwerer Start ins Leben

Moriz ist von Natur aus ein wenig überdreht.
In anderen Blogbeiträgen habe ich die Umstände seiner Geburt bereits geschildert. Kurz zusammengefasst hatte er keinen einfachen Start ins Leben.
Keine Sozialisation, keine richtige Betreuung. Er wurde gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern beschlagnahmt und in ein Tierheim gebracht.

Dort hatte man mit dieser speziellen Rasse, dem Border Collie, offenbar wenig Erfahrung und war froh, die Welpen schnell und günstig vermitteln zu können.
So kamen wir zu unserem kleinen Racker.
Nach wie vor zeigt Moriz dieses Übersprungsverhalten, wenn er in bestimmten Situationen überfordert ist.
Dann sitzt er da und kratzt sich an allen möglichen Körperstellen.
Ganz am Anfang dachten wir an Flöhe oder andere Parasiten. Die tierärztliche Untersuchung zeigte jedoch: kein parasitärer Befall.

Also blieb nur noch die Psyche als Ursache.
Und das ist bis heute so.
Zum Glück in abgeschwächter Form, aber immer noch vorhanden.

Was wir heute anders machen

Die umgestellte Erziehung trägt inzwischen Früchte.
Moriz kommt deutlich besser zur Ruhe.
Wir selbst, Frauchen und Herrchen, sind schließlich auch nicht mehr die Jüngsten.
Ich selbst bin 58 Jahre und nicht mehr so flink wie mit 20 oder 30.

So leid es uns tut: Agility oder Dogdance sind eher schwierig.
Einmal habe ich versucht, Moriz zu zeigen, wie man richtig durch den Reifen springt …
Nun ja …
Er musste mich anschließend mit vielen Küsschen wieder aufrichten, nachdem ich mich nach meinem misslungenen Hüpfer kaum noch bewegen konnte.
Heute stehen Spaziergänge ohne stundenlanges Apportieren auf dem Programm.

Dafür viel Schnüffeln, Versteckspiele im dicht bewachsenen Wald und die Kommandos:
„Such das Herrchen!“
„Such das Frauchen!“
Das macht allen Spaß, und Moriz ist jedes Mal ganz närrisch vor Freude, wenn er uns gefunden hat.

An warmen und heißen Tagen folgt zum Abschluss immer eine Abkühlung im nahegelegenen Bach.
Zu Hause im Garten verhält sich der kleine „Arbeiter“ danach deutlich entspannter und wirkt rundum zufrieden.

Warum Auslastung nicht immer die Lösung ist

Ich bin kein Hundetrainer. Wahrlich nicht.
Hier schildere ich lediglich unsere bisherigen Erfahrungen mit einer ganz besonderen Hunderasse.
Moriz IST ein Hütehund. Das wird immer deutlicher.
Er fixiert sein Wurfholz, den Ball, die Frisbee-Scheibe, die Hasen im Hasenstall und sogar unsere fünf Katzen – genau so, wie Hütehunde in Schottland ihre Herden beobachten.

Geduckte Haltung. Langsames Anschleichen. Ein stechender, konzentrierter Blick.
Das bekommen wir nicht aus ihm heraus.
Also versuchen wir es anders: kanalisieren statt unterdrücken.
So kann man einen speziellen Hütehund genauso wie jede andere Fellnase auch als FAMILIENHUND eingliedern.
Wenn man diese zu beginn unlogischen Erziehungsmethoden konsequent anwendet.
Klar, jeder Mensch denkt zunächst, „diesen Energiehund muss ich richtig auslasten.“
Bei jeder anderen Rasse mag das okay sein. Doch eben NICHT beim Border Collie.

Bevor er zu sehr ins Hüten mit all den für uns ungünstigen Verhaltensweisen verfällt, beginne ich mit den Übungen. Damit mehr sein Kopf und nicht zu sehr die Muskeln trainiert werden.
Für diese Zeit vergisst Moriz seine angeborenen Triebe und benimmt sich eigentlich wie seine anderen „gewöhnlichen“ Artgenossen auch.
­Uns ist bewusst, dass wir seine ursprüngliche Art niemals vollständig verändern können.
Das wäre auch nicht richtig.

Aber wir ermöglichen ihm, seine Begabungen und Triebe auf eine andere Weise auszuleben – eine, die besser zu unserem gemeinsamen Alltag passt.
Außerdem haben wir gelernt, dass Border Collies Spätentwickler sind. Die jugendliche, verrückte Teenagerphase kann durchaus bis zu drei Jahre dauern.
Danach werden viele deutlich ruhiger und sind kaum wiederzuerkennen.

Ich merke das sogar beim Pfötchengeben.
Das möchte ich ihm gerade beibringen.
Er sitzt vor mir, schaut mich erwartungsvoll an und ich sage:
„Pfote!“
Moriz springt begeistert hoch, umarmt und küsst mich, legt sich hin, macht „Platz“, ohne dass ich es verlangt habe, springt wieder auf …
Ich kann mir denken, was los ist.

Er ist momentan einfach so überdreht, dass er mir zeigen möchte, was er alles bereits kann.
Geduld ist gefragt.
Ich weiß, dass er hochintelligent ist. Das hat er schon oft bewiesen.
Er hat noch so einige Baustellen.
Alleinbleiben klappt schon ganz gut, ich höre beim Verlassen des Hauses zwar sein bellen, doch nach kurzer Zeit beruhigt er sich. Das war zu Beginn ganz anders.

Das übertriebene Hochfahren wenn er andere Hunde sieht. Er ist wahnsinnig verspielt und explodiert förmlich wenn er eben nicht mit jedem anderen Vierbeiner herumtollen kann.

Ausblick

Wir machen weiter.
Ich werde in weiteren Blogbeiträgen berichten wie wir alles in den Griff bekommen.

Ich denke viele Border Collie Halter können von meinen Tipps profitieren.
Moriz ist ein Hund des Lichtes. Ein Geschenk Gottes.
Es wird …

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