Moriz – Problem mit anderen Hunden

Nun lebt in KIRAS HOME unser kleiner Border Collie Moriz.
Zweifellos wurde er uns von Kira aus dem Regenbogenland geschickt.
Ich gebe zu: Zu Beginn gab es Schwierigkeiten. Nicht, weil Moriz schwierig war – sondern weil ich sein Potenzial nicht erkannt habe.
Ich war in der Vorstellung gefangen, dass Kira zu uns zurückkommt – in Form eines neuen, rassereinen weißen Schäferhundes. Für mich gab es nichts anderes.

Hinzu kam, dass mir sogar versprochen wurde, eine wunderschöne weiße Schäferhündin geschenkt zu bekommen. Ich sah Fotos vom Züchter – die Mutterhündin war prachtvoll. Ich konnte es kaum erwarten, dass er uns die Hündin nach KIRAS HOME bringt.
Doch das Schicksal wollte es anders.

Im Tierheim ganz in der Nähe wartete ein Wurf reinrassiger Border Collies auf ein neues Zuhause.
Wie die Adoption ablief, habe ich bereits auf der Seite „Border Collie Moriz“ geschildert.

Hoffnungslos?

Anfangs war der kleine Kerl mit allem überfordert. Natürlich auch mit anderen Hunden.
Wir glaubten tatsächlich, er wäre der falsche Hund für uns.
Zusätzlich war ich – unbewusst – enttäuscht. Er war kein weißer Schäferhund.
Wie falsch, ungerecht und verwerflich waren meine Gedanken damals!

Ich verschlimmerte Moriz’ anfängliche Unsicherheit sogar noch.
Denn meine innere Unruhe und Unzufriedenheit übertrugen sich auf ihn – ohne dass ich es bemerkte.
Andere Hundehalter rieten uns, ihn schnell zu sozialisieren. Hundebegegnungen zu forcieren. Er müsse alles so schnell wie möglich lernen.
Also gingen wir mit ihm und seinem Kumpel Ogy in eine Hundezone in der nahegelegenen Stadt.
Welch törichte Entscheidung – wie ich heute weiß.

Der kleine, noch nicht einmal vier Monate alte Moriz sah die vielen großen Hunde herumrennen und auf ihn zustürmen.
Er wusste nicht mehr ein noch aus. Wollte fliehen – konnte aber nicht. Also drehte er sich um, begann wie wild zu bellen, zu knurren, wollte einfach nur weg.
Wir waren fassungslos. Und überfordert.
Viele rieten zu einem professionellen Hundetrainer.

Mission impossible? Doch: possible!

Es konnte so nicht weitergehen.
Ich erinnerte mich: Das ist nicht mein erster Hund.
Also begann ich ernsthaft zu recherchieren – in Büchern, Zeitschriften, Internetforen. Ich legte mir einen Plan zurecht.
Und ich musste einsehen: Das ursprüngliche Problem lag zum großen Teil bei mir selbst.

Moriz spürte meine anfängliche, wenn auch unbewusste Ablehnung. In vielen Gesprächen mit meiner Lebensgefährtin – die wie eine Löwin um ihn kämpfte – gestand ich mir meine Ungeduld und Unzulänglichkeit ein.
Ich begann, an mir selbst zu arbeiten.

  • Ich vertrieb die Gedanken an die „neue Kira“.

  • Ich baute eine neue, tiefe Beziehung zu Moriz auf.

  • Ich spielte mit ihm, nahm ihn liebevoll in die Arme.

  • Ich schimpfte nicht mehr, wenn er ins Haus machte.

  • Ich zeigte ihm ruhig und klar seine Grenzen.

  • Ich übernahm Verantwortung und gab ihm Sicherheit.

  • Und ganz wichtig: all das ohne Gewalt – mit viel Liebe und Geduld.

Kleine Schritte statt Überforderung

Wir verzichteten auf die Hundezone. Moriz war dort völlig überfordert – auch wenn sein Kumpel Ogy dabei war, der selbst durch seine Sehschwäche eingeschränkt ist.
Unsere Spaziergänge führten wir nur noch in ruhigen Gegenden. Zum Glück gibt es hier viele davon.

Andere Hunde ließen sich nicht vermeiden. Schon auf 300 Meter Entfernung verfiel Moriz in Panik.
Wenn das geschah, gab es nur eines: an die Leine und in die andere Richtung. Sofortige positive Ablenkung.
Anfangs mit einem Tennisball oder Stöckchen.
Doch die endgültige, geniale Lösung kam später.

Frisbeedog!

Mit den Tagen und Wochen wuchs unsere Beziehung.
Moriz wurde selbstbewusster. Er erkannte: Nicht er muss alles regeln – er kann uns vertrauen.

Eines Tages entdeckte ich in einer Tierhandlung eine blaue Frisbeescheibe – hundegeeignet, zahnschonend, robust.
Beim nächsten Spaziergang probierten wir sie aus.
Und was soll ich sagen?
Begeistert stürmt er los – über Wiesen, Abhänge, Felder. Er verfolgt die Flugbahn dieses „UFOs“, wartet konzentriert und schnappt im perfekten Moment zu.

Er könnte das stundenlang tun – doch gerade Border Collies als Arbeitshunde dürfen nicht zu sehr hochgefahren werden. Also setze ich klare Grenzen. Auch das klappt wunderbar.

Andere Hunde? Kein Problem mehr.

Am Horizont erscheint ein Artgenosse?
Ja, Moriz fixiert ihn.
Doch bevor er in alte Muster fällt, zeige ich ihm seine geliebte Frisbeescheibe.
Er richtet seine Aufmerksamkeit sofort um. Wurf – Sprint – Freude.
Ganz nebenbei verknüpft er das Erscheinen anderer Hunde mit etwas Positivem.

Schließlich wagten wir wieder den Besuch der Hundezone.
Moriz betritt das Gelände. Große Hunde sind da.
Ich werfe die Scheibe – und er konzentriert sich auf sein Spiel.
Kommt ein Hund näher, wird er freundlich begrüßt. Nach kurzer Zeit spielt Moriz inzwischen gerne mit seinen Artgenossen.
Selbst wenn ihm jemand die Scheibe streitig macht, bleibt er ruhig. Keine Aggression. Kein Kampf.

Was wir gelernt haben

Wir haben das Problem – zumindest vorerst – gut in den Griff bekommen.
Natürlich liegt noch ein Weg vor uns:

  • Leinenführigkeit

  • Benehmen im Café oder Gasthaus

  • Menschen nicht mehr anspringen

  • Sitz, Platz, Bleib

Doch wir sind zuversichtlich. Moriz ist wissbegierig, klug – und einfach ein großartiger Hund.

Mögliche Ursachen seiner Unsicherheit

  • Herkunft aus einer ungewollten Vermehrer-Zucht

  • Fehlende frühe Sozialisation

  • Trennung von Mutter und Geschwistern

  • Meine anfängliche Ablehnung

  • Falsche Lösungsansätze zu Beginn

Ich bin kein Hundetrainer.
Dieser Beitrag soll anderen Hundehaltern Mut machen, die ähnliche Schwierigkeiten erleben.
In unserem Fall war die Lösung eine Frisbeescheibe –
aber vor allem waren es Liebe, Geduld und Selbstreflexion.

Jeder Hund ist individuell. Jeder Weg ist anders.
Schreibt mir gerne, ob Euch diese Gedanken helfen.
Wie seid Ihr mit schwierigen Hundebegegnungen umgegangen?
Im nächsten Beitrag erzähle ich, wie wir Moriz das gesittete Gehen an der Leine beibringen.

Bis dahin viele Pfotengrüße aus KIRAS HOME 🐾

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