Nun feiern wir den ersten Geburtstag unseres Border Collie Moriz.
Am 4. Juli wird er genau ein Jahr alt. Ja – „Geboren am 4. Juli“.

Sein erstes Lebensjahr hat er also geschafft. Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen. Es waren wahrlich denkwürdige zwölf Monate.
Genau wie der Protagonist im Film „Geboren am 4. Juli“ ist auch Moriz etwas Besonderes. Es scheint, als würden an diesem Datum nicht nur besondere Menschen geboren …

Aber der Reihe nach.

Kira – der Schmerz saß tief

Ich wollte schon immer einen besonderen Hund. Ja, ich habe bereits mit mehreren Fellnasen zusammengelebt – mit Mischlingen, Rassehunden, Rüden und Hündinnen.
Zu jedem einzelnen Vierbeiner hatte ich eine tiefe, weit über das normale Maß hinausgehende Liebe. Und diese Zuneigung wurde tausendfach erwidert.

Doch leider altern Hunde im Verhältnis zu uns Menschen rasend schnell. Irgendwann kommt unweigerlich der Moment des Abschieds.
Jedes Mal führt der Weg durch dieses trostlose Tal der Tränen – das Vortal zum Regenbogenland.
Wir gingen diesen beschwerlichen, steinigen Pfad immer gemeinsam, Hand in Pfote. Angst vor dem Übergang? Nein. Trauer? Natürlich. Wie sollte es auch anders sein?

So war es auch bei Kira. Nach ihrem Tod war ich wahrhaftig nicht mehr ich selbst.
Ich glaubte, den Weg aus dieser Schlucht der Tränen genau zu kennen. Doch plötzlich verirrte ich mich wie in einem Labyrinth.
Diese Seelenhündin, dieses Geschenk aus dem Paradies – so urplötzlich aus dem Leben gerissen?
Ich verschloss mich dieser grausamen Wirklichkeit vollkommen. So fand ich den Ausgang aus diesem dunklen Tal nicht mehr.
Es durfte einfach nicht sein!
Und wenn doch, dann musste unbedingt eine „Ersatz-Kira“ her. Sofort. Noch während die arme Hündin auf dem Operationstisch um ihr Leben kämpfte.
Ich war völlig außer mir.

Ich setzte Himmel und Hölle in Bewegung und telefonierte sogar noch an Kiras Sterbetag in der Tierklinik mit Züchtern Weißer Schäferhunde.
Mir wurde sogar eine Weiße-Schäferhund-Welpin als Geschenk versprochen. Wir mussten nur warten, bis die Mutterhündin trächtig werden würde.
Es schien alles in geregelten Bahnen zu verlaufen.
Ja, dachte ich …
Doch wie heißt es so schön?
„Der Mensch denkt, und Gott lenkt.“

Was ich damals nicht erkannte: Ich verhielt mich wie ein Autofahrer, der vom Licht des Gegenverkehrs geblendet wird und deshalb in die völlig falsche Richtung fährt.
Bevor ich gegen eine tausendjährige Eiche prallen konnte, griff das Schicksal ein.
Genau so war es bei uns.

Als Moriz in unser Leben trat

Heute, nach einem Jahr der Besinnung und tiefgreifender Erlebnisse, wage ich es nicht mehr, mich gegen den Willen der Vorsehung aufzulehnen.
Wie sich letztlich alles gefügt hat – von wem oder wodurch auch immer –, war schlichtweg genial.

Nicht lange nach dem Gespräch mit dem Züchter, der uns eine Weiße-Schäferhund-Welpin schenken wollte, durchstöberte ich die Webseiten der Tierheime in unserer Umgebung.
Dann blieb mein eigentlich nur flüchtig suchender Blick an einem Wurf von vier reinrassigen Border-Collie-Welpen hängen.
Schon damals suchte sich der kleine, gerade einmal acht Wochen alte Border Collie einen Platz in meinem Herzen – ja, in meiner Seele. Nur ich selbst bemerkte es zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht.
Zu sehr war ich noch mit der verstorbenen Kira verbunden.

Dennoch rief ich kurze Zeit später im Tierheim an. Wir bekamen einen Termin für den übernächsten Tag, um die Welpen kennenzulernen.
Heute bin ich überzeugt: Dieser Tag war Schicksal.
Wir konnten gar nicht anders.

Der Besuch in diesem liebevoll geführten Tierheim dauerte keine 45 Minuten, da hielt meine Frau den kleinen Moriz bereits im Arm.
Das Video davon könnt Ihr im Blogbeitrag sehen. Dort schildere ich auch ausführlich die besonderen Umstände von Moriz‘ Einzug bei uns.

Moriz machte seine ersten tapsigen Schritte in unserem Garten, und wir waren sofort verzaubert.

Doch in mir lag immer noch der Schatten von Kira.

So klein war Moriz mal, er passte perfekt in den Korb...

Die ersten schweren Wochen

Die erste Euphorie verflog. Der kleine Mann kratzte sich ununterbrochen, bellte alles und jeden an und war mit nahezu jeder neuen Situation überfordert. Fremde Hunde waren für ihn regelrechte Ungeheuer.
Nur mit Ogy, Kiras treuem Kumpel, verstand er sich vom ersten Tag an.
Auch die kleine Hündin unserer Nachbarn wurde schnell zu seiner begeisterten Spielkameradin.

Nach einem kurzfristig vereinbarten Tierarztbesuch wegen der ständigen Kratzerei stellte sich glücklicherweise heraus, dass Moriz keine Parasiten hatte.
Es handelte sich um eine Übersprungshandlung, ausgelöst durch Stress, Unsicherheit und Angst.
In meinem Herzen war Kira jedoch immer noch allgegenwärtig.
Ich war enttäuscht.
Ja, ich machte Fehler – sogar einige.
Hinzu kam, dass ich durch die sozialen Medien zunehmend verunsichert wurde.
Was wollte ich ausgerechnet mit einem Border Collie?
Ich, der weder Schafe noch Ziegen oder irgendeine andere Herde zu hüten hatte.

Border Collies sind Arbeitshunde. Sie brauchen Beschäftigung, geistige Herausforderungen und Aufgaben. Werden sie nicht ausreichend ausgelastet, suchen sie sich selbst eine Beschäftigung – und die ist nicht selten zum Leidwesen ihrer Familie.

Ja, Border Collies gehören zu den intelligentesten Hunden überhaupt.
Viele selbst ernannte Hundekenner, ja sogar Hundetrainer und Tierheimbetreiber, rieten mir dringend, den kleinen Moriz wieder abzugeben.
Im schlimmsten Fall, so sagten sie, würde er den alten Ogy – immerhin schon elfeinhalb Jahre alt – angreifen und beißen. Am Ende müsste ich beide Hunde dauerhaft voneinander trennen.
Ein Albtraum.

Vielleicht verstärkten diese gut gemeinten Ratschläge meinen Frust sogar noch.
Denn der kleine, tollpatschige Moriz schien damals wirklich kein Fettnäpfchen auszulassen.

Der Schock in der Tierklinik

Eines Tages saß der kleine Moriz plötzlich auf dem Boden.
Er würgte und würgte, doch es kam nichts hoch. Er hechelte, das Maul stand weit offen.
Eine eisige Hand griff mir direkt ans Herz. Vor meinem inneren Auge tauchte sofort die schreckliche Erinnerung an Kiras Magendrehung auf. Genauso hatte damals alles begonnen.

Um Gottes willen! Das durfte doch nicht wahr sein. Nicht schon wieder! Und dann auch noch bei einem so jungen Hund.
Wie damals bei Kira packte ich den kleinen, würgenden Welpen, sprang ins Auto und raste zur nächsten Tierärztin. Diesmal begleitete mich meine Frau, um mich zu unterstützen.
Die Tierärztin tastete Moriz‘ Bauch sorgfältig ab. Schon nach wenigen Augenblicken sagte sie:
„Da stimmt etwas nicht. Ich spüre einen harten Fremdkörper. Irgendetwas steckt im Darm fest und blockiert den Stuhlgang.“
Ihre Stimme klang ernst, aber keineswegs hoffnungslos.

Also keine Magendrehung.
Der Stein, der uns in diesem Moment vom Herzen fiel, muss tonnenschwer gewesen sein.
Die nächste Station war erneut die Tierklinik Wiener Neustadt.
Dort entdeckte man zwei kleine Hartgummistückchen im Darm, die glücklicherweise entfernt werden konnten.
Auch diese Geschichte könnt Ihr ausführlich im Blogbeitrag über Moriz nachlesen.

Bis heute wissen wir nicht, was der kleine Kerl damals verschluckt hat oder wie er überhaupt daran gekommen ist.
Die nächsten Tage verbrachte er in seinem zuckersüßen blauen Schutzpyjama.
Zum Glück ging alles gut.
Doch die nächste kritische Episode ließ nicht lange auf sich warten.

Der Angriff auf Ogy

Eines Tages gingen wir gemeinsam spazieren: Moriz, sein bester Kumpel Ogy, meine Frau und ich.
Nichts ahnend gingen wir unseres Weges, als plötzlich wie aus dem Nichts ein großer Deutscher Schäferhund auf uns zustürmte.

Lautlos. Ohne jede Vorwarnung.
Mit gefletschten Zähnen stürzte er sich auf den alten Ogy.
Ogy wehrte sich nach Leibeskräften, doch gegen den jungen, kräftigen und völlig außer Kontrolle geratenen Hund hatte er keine Chance.

Moriz war gerade einmal drei Monate alt.
Er stand nur wenige Meter daneben, bellte verzweifelt und wollte seinem Freund helfen. Doch seiner körperlichen Unterlegenheit hatte er nichts entgegenzusetzen. Er konnte nur immer lauter bellen und herzzerreißend heulen.

Mir schoss der Schock durch den ganzen Körper.
Nach einer kurzen Schrecksekunde packte ich Moriz am Brustgeschirr und riss ihn aus der Gefahrenzone.
In Gedanken hörte ich bereits das entsetzliche Knacken von Ogys Halswirbeln. Die Zähne des angreifenden Hundes lagen wie ein Schraubstock um seinen Hals.

Meine Frau reagierte ohne einen Augenblick zu zögern.
Unter völliger Missachtung ihrer eigenen Sicherheit stürzte sie sich auf den Schäferhund, drückte ihn mit aller Kraft zu Boden und schaffte es tatsächlich, ihn unter Kontrolle zu bringen.

Der Hund ließ von Ogy ab.
Wie durch ein Wunder – seine Schutzengel müssen an diesem Tag vollständig versammelt gewesen sein – trug unser kleiner Senior keine Verletzungen davon.

Taumelnd kam Ogy zu uns zurück und ließ sich erschöpft ins Gras sinken.
Doch schon kurze Zeit später stand er wieder auf und marschierte tapfer weiter, als wäre überhaupt nichts geschehen.

Welch außergewöhnlicher kleiner Hund!
Für uns ist Ogy ohnehin unersetzlich. Nach diesem Vorfall zeigte er einmal mehr, welch treuer und außergewöhnlicher Freund des Menschen er ist.

Der Schäferhund hatte sich inzwischen beruhigt. Er stand auf, trabte einige Meter davon und setzte sich in einiger Entfernung hin, um uns aufmerksam zu beobachten.
Kurz darauf kam sein Herrchen völlig außer Atem angelaufen.
Er entschuldigte sich unzählige Male – und ich bin bis heute überzeugt, dass es ihm aufrichtig leidtat.

Man sah ihm an, wie aufgelöst er war.
Er erklärte uns, dass er Hundetrainer sei und mit besonders schwierigen Hunden arbeite. Tiere, denen oft nur noch eine letzte Chance blieb. Gelinge ihre Resozialisierung nicht, drohe ihnen häufig die Einschläferung.

Normalerweise trainiere er solche Hunde ausschließlich allein. An diesem Tag jedoch hatte sich der kräftige Schäferhund losgerissen.
Vielleicht hatte ihn die Hundepfeife angelockt, die meine Frau kurz zuvor für Moriz benutzt hatte. Möglicherweise wurde er dadurch getriggert.
Ganz genau werden wir es wohl nie erfahren.

Wie auch immer: Ogy erholte sich erstaunlich schnell. Er wirkte nicht einmal nachhaltig verschreckt, sondern setzte seinen Spaziergang fort, als wäre nichts passiert.
Wirklich ein außergewöhnlicher Hund.

Er hat sein ganz eigenes Schicksal – und sein verdientes Glück – bei uns gefunden.
Über ihn werde ich ganz bestimmt noch oft schreiben.

Moriz konnte die Ereignisse in seinem jungen Alter natürlich noch nicht richtig einordnen.
Er saß da, hechelte aufgeregt und schien nicht verstehen zu können, weshalb dieser große Hund – der nun völlig ruhig und harmlos in einiger Entfernung neben einem Strauch saß – seinen Freund Ogy so grundlos angegriffen hatte.

Ich erzähle diese Begebenheit, weil sie erklärt, weshalb unser Border Collie bis heute Probleme mit Deutschen Schäferhunden hat.

Was ein Border Collie wirklich braucht

Der Vorfall liegt inzwischen fast zehn Monate zurück. Wahrscheinlich hat sich damals ein Trauma in seiner kleinen Hundeseele eingebrannt.
Seitdem sind Hundezonen, in denen häufig Deutsche Schäferhunde unterwegs sind, für uns eher problematisch.

Ansonsten machten wir jedoch große Fortschritte.
Zu Beginn – ich habe das bereits in mehreren Blogbeiträgen beschrieben – machte ich den Fehler, den stürmischen jungen Moriz unbedingt ständig auslasten zu wollen.
Ja, grundsätzlich soll man Hunde beschäftigen. Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde, Dackel, Berner Sennenhunde und viele andere Rassen profitieren davon.

Doch ein Border Collie ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung.
Wenn man weder eine Schafherde noch eine andere sinnvolle Aufgabe für ihn hat und auch nicht die Zeit aufbringen kann, ihn stundenlang artgerecht zu beschäftigen, gerät man schnell an seine Grenzen.

Genau das geschah bei uns.
Wie wir dieses Problem schließlich gelöst haben und was wir verändert haben, werde ich in einem eigenen Ratgeber ausführlich beschreiben.
Nur so viel möchte ich schon heute verraten:
Es funktioniert.

Wir sind auf einem guten Weg.

Das Licht der Hoffnung

Heute, am 4. Juli, feiert Moriz seinen ersten Geburtstag.
Oder besser gesagt: Aus dem kleinen Welpen ist inzwischen beinahe ein erwachsener Junghund geworden.

Ein Leben ohne ihn können wir uns heute nicht mehr vorstellen.
Erst jetzt erkenne ich das Licht, das von ihm ausgeht.
Anfangs war ich noch vom Nachglühen des Lichts Kiras geblendet.
Ich wollte und konnte das strahlende Licht der Liebe und Hingabe, das Moriz in unser Leben brachte, zunächst gar nicht erkennen.

Heute ist alles anders.
Manchmal stelle ich mir Folgendes vor.
Vielleicht ist es nur eine naive Vorstellung.
Vielleicht aber auch nicht.

Ich sehe den Schöpfer allen Lebens vor mir.
Er greift in ein Licht, das nur in der Ewigkeit existiert – ein Licht voller unendlicher Liebe.
Aus diesem Licht formt er einen Hund.

Und kurze Zeit später wird irgendwo auf dieser Erde ein kleiner Border-Collie-Welpe geboren.

Ja…

So muss es gewesen sein.

Heute sehe ich dieses Licht mit all meinen Sinnen.
Es ist unendlich viel wertvoller als Geld, Reichtum oder jeder Luxus dieser Welt.

Ich wünsche mir von Herzen, dass Moriz – unser kleines Himmelslicht – noch viele Jahre unser Leben und KIRAS HOME mit seiner Liebe und seiner Lebensfreude erfüllt.

In diesem Sinne wünschen Euch Moriz, Ogy, unsere fünf Katzen und unsere Kaninchen von Herzen liebe Pfotengrüße.

Trotz OP in Spiellaune
Der erste Schnee im jungem Leben
Die Operation gut überstanden
Mit der geliebten Frisbeescheibe
Er lies sich gerne tragen...
Oder mit Hölzchen jeder Art
Noch darf Moriz nicht ins Wasser
Je größer das Holz...

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